Warum du aufschiebst, in dich selbst zu investieren (und was es kostet)
- Verena Hoffmann
- vor 5 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt einen Satz, den die meisten benutzen, ohne darüber nachzudenken, was er eigentlich bedeutet. "Alle Jubeljahre mal."
Also: alle Jubeljahre mal tue ich etwas nur für mich. Alle Jubeljahre mal buche ich dieses Coaching. Alle Jubeljahre mal mache ich wirklich eine Pause.
Es klingt leicht. In Wahrheit funktioniert es als Hinhaltetaktik. Und die meisten, die so reden, sind nicht faul oder undankbar. Es sind die Menschen, die für alle anderen da sind, die Last klaglos tragen und ihre eigenen Bedürfnisse ans Ende einer Liste setzen, die nie ganz fertig wird. Lerne, warum du aufschiebst, in dich selbst zu investieren und was dieses Muster kostet. Nicht moralisch. Neurologisch.

Warum du die Investition in dich selbst ständig aufschiebst
Aufschieben, abwarten klingt erstmal vernünftig. Nächsten Monat, wenn es ruhiger wird. Wenn ich es mir verdient habe. Wenn ich mehr Zeit habe.
Das Problem ist: "ruhiger werden" ist keine Phase, die von selbst eintritt. Es ist ein Zustand, den du aufbaust. Und Ruhe ist nichts, was du dir nach getaner Arbeit verdienst. Sie ist Teil der Kapazität, die deine Arbeit überhaupt erst möglich macht.
Jedes Mal, wenn du dich selbst ans Ende deiner eigenen Liste stellst, merkt sich das dein Kopf. Nicht als Gedanke. Als Muster. Dein Nervensystem führt Buch. Und was es notiert, ist: Ich bin keine Priorität. Ich bin nicht wichtig.
Das sind keine abstrakten Glaubenssätze. Es sind körperliche Zustände. Dein System lernt sie durch Wiederholung, genau wie es alles andere lernt.
Was das Aufschieben von Selbstinvestition mit deinem Nervensystem macht
Wenn du es immer wieder aufschiebst, in dich zu investieren, kommt Burnout nicht als einzelnes Ereignis. Es schleicht sich ein.
Du bist nicht plötzlich leer. Du bist langsam ausgelaugt. Die aufgeschobene Yoga Session. Die abgesagte Pause. Der Fit Call fürs Coaching, den du immer buchen wolltest. Jedes für sich klein. Zusammen sagen sie deinem Nervensystem: Meine Bedürfnisse kommen zuletzt. Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig.
Diese Signale summieren sich. Irgendwann hört der Körper auf zu fragen und beginnt herunterzufahren.
Das Umgekehrte gilt genauso. Wenn du dich behandelst, als wärst du die zwei Minuten wert, die Session wert, die Pause wert, aktualisiert sich das System. Langsam. Aber es aktualisiert sich.
Genau das bedeutet es, aus somatischer Sicht in dich selbst zu investieren. Keine Optimierung. Eine Neukalibrierung.
Drei Movement-Snacks, die nichts extra brauchen
Du musst deinen Tag nicht umbauen. Du kannst Selbst Investitionen in die kleinen Lücken setzen, die schon da sind.
Squats oder Horse Stance beim Zähneputzen.
Zwei volle Minuten Aktivierung der Beinmuskulatur, des Nervensystems und der Tiefenwahrnehmung. Angedockt an etwas, das du ohnehin tust. Null Extrazeit.
5x Good Mornings, während der Wasserkocher läuft.
Ein Klassiker aus der Calisthenics-Welt: Füße hüftbreit, Hände hinter dem Kopf, aus der Hüfte nach vorn beugen, bis die Beinrückseiten greifen, Po anspannen und wieder aufrichten. Stärkt die hintere Kette, stabilisiert die Wirbelsäule, dauert 60 Sekunden. Der Wasserkocher läuft sowieso.
Fersen heben an der Kaffeemaschine.
Auf die Zehenspitzen kommen und halten, oder die Fersen 10- bis 15-mal heben und senken. Verbessert die Durchblutung, aktiviert die Waden, gibt dem Nervensystem einen kleinen Reset zwischen den Schreibtischstunden.
Das sind keine großen Life Hacks. Es ist die Übung, an genau den Orten für dich selbst da zu sein, an denen du sowieso schon bist.
Der Glaubenssatz unter dem Aufschieben
Movement-Snacks sind nur der Anfang. Die tiefere Arbeit ist der Glaubenssatz.
"Alle Jubeljahre mal" ist kein Terminproblem. Es ist eine Story darüber, wer deine Zeit verdient. Und wenn diese Story sagt: alle anderen vor mir, dann funktioniert kein Produktivitätssystem und keine Wellness-Routine. Weil tiefer darunter etwas deinem Körper sagt, dass du nicht wichtig bist.
In dich selbst zu investieren beginnt, in der Sprache des somatischen Coachings, damit, diese Story zu erkennen. Und dann eine andere zu schreiben. Nicht als Mindset-Shift. Als körperliche, wiederholte, embodied Handlung.
Der Körper lernt, was du konsequent tust. Gib ihm konsequente Beweise, dass es sich lohnt, für dich einzustehen.
Genau da lebt die Veränderung.
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